Viele Menschen erwarten von einem Hörgerät in erster Linie, dass sie im Alltag besser hören und mehr verstehen. Gespräche sollen leichter fallen, der Fernseher muss nicht mehr so laut gestellt werden und soziale Kontakte sollen wieder aufleben. Doch inzwischen beschäftigt die Forschung noch eine weitere Frage: Ist Schwerhörigkeit ein Faktor für Demenz und kann ein Hörgerät das Risiko für eine Demenz senken?

Die Antwort darauf ist nicht ganz einfach. Fest steht jedoch, dass ein Zusammenhang zwischen Schwerhörigkeit und Demenz besteht. Fachleute betrachten Hörprobleme heute als einen der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für eine spätere Demenzerkrankung. Studien zeigen zudem, dass eine frühzeitige Versorgung mit Hörhilfen möglicherweise einen positiven Einfluss haben kann.

Wie Schwerhörigkeit und Demenz zusammenhängen können

Dass Schwerhörigkeit das Risiko für eine Demenz erhöhen kann, beschäftigt Wissenschaftler schon seit Jahren. Verschlechtert sich das Hörvermögen, gelangen weniger akustische Reize ins Gehirn. Gleichzeitig müssen Betroffene deutlich mehr Energie aufwenden, um Gesprächen zu folgen oder Geräusche richtig einzuordnen.

Menschen, die schlecht hören und sich deshalb Gesprächen nur noch eingeschränkt beteiligen können, ziehen sich häufig aus sozialen Situationen zurück. Treffen mit Freunden werden seltener, Vereinsaktivitäten nehmen ab und manche Betroffene vermeiden größere Gesprächsrunden komplett. Soziale Isolation gilt wiederum als bekannter Risikofaktor für eine Demenz. Aus diesem Grund untersuchen Forscher seit Jahren, ob sich durch die Behandlung von Hörproblemen auch das Risiko für geistigen Abbau beeinflussen lässt.

Was aktuelle Studien zeigen

Eine aktuelle Langzeitstudie hat mehrere tausend ältere Menschen über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren begleitet. Die Teilnehmer hatten Hörprobleme, litten zu Beginn der Untersuchung aber noch nicht an einer Demenz. Die Forschenden wollten herausfinden, ob sich eine Behandlung der Hörminderung langfristig auf die geistige Gesundheit auswirken kann.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Menschen mit Hörgeräten entwickelten seltener eine Demenz als Menschen ohne Hörgeräte.
  • Besonders deutlich zeigte sich dieser Effekt bei Personen, die ihre Hörhilfen regelmäßig nutzten.
  • Die Nutzung von Hörgeräten konnte den normalen altersbedingten Rückgang von Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder Denkgeschwindigkeit jedoch nicht eindeutig verlangsamen.

Die Ergebnisse liefern weitere Hinweise darauf, dass zwischen schlechtem Hören und Demenz ein enger Zusammenhang besteht. Sie stützen zudem die Annahme, dass ein Hörverlust das Risiko für eine Demenz erhöhen kann. Zwar lässt sich daraus nicht ableiten, dass das Hörgerät eine Demenz verhindert. Die Studie unterstützt jedoch die These, dass ein Hörgerät bei bestehender Hörminderung dazu beitragen könnte, das Risiko für eine Demenz zu senken. Besonders für Menschen, die schlecht hören und einer Demenz möglichst vorbeugen möchten, ist das ein wichtiges Signal, Hörprobleme frühzeitig untersuchen und behandeln zu lassen.

Wenn Menschen schlecht hören und eine Demenz vermeiden möchten

Besonders wichtig ist deshalb die frühe Erkennung von Hörproblemen. Viele Menschen bemerken zunächst nur kleine Veränderungen. Gespräche in Gruppen werden anstrengender, Hintergrundgeräusche stören stärker oder es muss häufiger nachgefragt werden. Oft vergeht dann noch viel Zeit, bevor ein Hörtest durchgeführt wird.

Heute gilt es als sehr wahrscheinlich, dass schlechtes Hören langfristig eine Demenz begünstigen kann. Fachleute empfehlen deshalb, das Gehör regelmäßig überprüfen und bestehende Einschränkungen möglichst früh behandeln zu lassen.

Hörverlust und Demenz – eine vermeidbare Kausalität?

Im Gegensatz zu vielen anderen Risikofaktoren lässt sich ein Hörverlust relativ gut behandeln. Genau deshalb gilt der Zusammenhang zwischen Hörverlust und Demenz als besonders interessant. Während Alter oder genetische Veranlagung nicht beeinflusst werden können, lässt sich eine Hörminderung meist mit modernen Hörsystemen gut ausgleichen.

Studien deuten darauf hin, dass ein unbehandelter Hörverlust das Risiko für eine Demenz erhöhen kann. Umgekehrt könnte die Behandlung dazu beitragen, die geistige Gesundheit länger zu erhalten.

Kann ein Hörgerät eine Demenz verhindern?

Eine solche Aussage wäre wissenschaftlich nicht seriös. Der aktuelle Forschungsstand zeigt nicht, dass ein Hörgerät eine Demenz sicher verhindern kann. Aber wenn Menschen schlecht hören und eine Demenz verhindern möchten, sollten sie handeln. Ein Hörtest beim Facharzt oder Hörakustiker kann Klarheit schaffen. Gutes Hören bedeutet nicht nur mehr Lebensqualität, sondern möglicherweise auch einen wichtigen Beitrag zur geistigen Gesundheit im Alter.

Sicher leben, auch wenn die Gesundheit nachlässt

Hörprobleme, Gedächtnisveränderungen oder andere altersbedingte Einschränkungen können den Alltag erschweren. Ein Hausnotruf von HelpPhone ermöglicht schnelle Hilfe auf Knopfdruck und unterstützt ältere Menschen dabei, möglichst lange selbstständig und sicher in den eigenen vier Wänden zu leben.