HelpPhone Notrufsysteme
Infoline: 0800 5894573
Pflege ist ein sehr persönliches Thema. Wenn Angehörige einen Menschen bei der Körperpflege, beim Toilettengang, Anziehen oder anderen alltäglichen Aufgaben unterstützen, kann auf beiden Seiten Scham entstehen. Scham in der Pflege ist nichts Ungewöhnliches. Sie entsteht, weil persönliche Grenzen, Intimität und das eigene Selbstbild in dieser Situation eine besonders wichtige Rolle spielen.
Scham entsteht meist dann, wenn Menschen das Gefühl haben, beobachtet, bewertet oder in ihrer Intimsphäre verletzt zu werden. Pflegebedürftige können sich beispielsweise dafür schämen, auf Hilfe angewiesen zu sein. Angehörige wiederum können unsicher sein, wie sie mit sehr persönlichen Situationen umgehen sollen. Ein offener und respektvoller Umgang kann dabei helfen, das Thema zu entlasten.
Scham kann sich in der Pflege auf ganz unterschiedliche Weise zeigen. Manche Menschen ziehen sich zurück, vermeiden Gespräche über ihre Pflegebedürftigkeit oder reagieren gereizt, wenn Hilfe angeboten wird. Andere versuchen, möglichst viele Aufgaben weiterhin selbst zu übernehmen, auch wenn sie dabei eigentlich Unterstützung benötigen.
Körperliche Reaktionen auf Scham sind zum Beispiel:
Wichtig ist, solche Reaktionen nicht persönlich zu nehmen. Scham ist in der Pflege sowie auch in anderen Momenten eine natürliche Reaktion auf eine ungewohnte und intime Situation.
Scham von Pflegebedürftigen:
Für viele Menschen ist es schwierig, plötzlich auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Besonders bei der Körperpflege kann das Gefühl entstehen, die eigene Privatsphäre oder Selbstständigkeit zu verlieren. Auch Veränderungen des Körpers, Inkontinenz oder bestimmte Erkrankungen können Scham auslösen. Das frühere Rollenbild verändert sich: Aus dem selbstständigen Elternteil oder Partner wird möglicherweise jemand, der Unterstützung benötigt.
Scham von pflegenden Angehörigen:
Auch Angehörige müssen sich zunächst an die neue Situation gewöhnen. Es kann ungewohnt sein, einen Elternteil zu waschen, beim Toilettengang zu unterstützen oder Medikamente zu verabreichen. Manche Angehörige fühlen sich dabei selbst unsicher oder haben Angst, etwas falsch zu machen. Offene Gespräche können helfen, Unsicherheiten abzubauen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Scham und Würde in der Pflege stehen eng miteinander in Verbindung. Wer die Würde eines pflegebedürftigen Menschen respektiert, schafft Vertrauen und kann dazu beitragen, Scham zu reduzieren. Dabei helfen schon kleine Maßnahmen: Vor jedem Pflegeschritt sollte erklärt werden, was als Nächstes passiert. Türen und Vorhänge können geschlossen und der Körper möglichst bedeckt werden. Ebenso wichtig ist es, die betroffene Person selbst entscheiden zu lassen, soweit es möglich ist.
Auch eine wertschätzende Sprache macht einen Unterschied. Niemand sollte wegen körperlicher Veränderungen, Inkontinenz oder Hilfsbedürftigkeit das Gefühl bekommen, weniger wert zu sein.
Wenn die Scham sehr groß ist, kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein. Pflegedienste können Angehörige entlasten und besonders intime Pflegesituationen übernehmen. So kann sich die Beziehung zwischen Angehörigen und Pflegebedürftigen wieder stärker auf gemeinsame Zeit, Gespräche und Nähe konzentrieren.
Das Schamgefühl loswerden bedeutet dabei nicht, Scham einfach abschalten zu müssen. Vielmehr geht es darum, einen Umgang damit zu finden, der persönliche Grenzen respektiert und gleichzeitig notwendige Hilfe ermöglicht.