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Wenn ein Mensch den größten Teil des Tages im Bett verbringen muss und nicht mehr in der Lage ist, selbstständig aufzustehen, sprechen Mediziner und Pflegekräfte davon, dass diese Person bettlägerig ist. Diese Situation tritt häufig bei schweren Erkrankungen, nach Operationen oder im hohen Alter auf und stellt sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen eine große Herausforderung dar.
Die Bettlägerigkeit beschreibt einen Zustand, in dem eine Person dauerhaft oder über längere Zeit ans Bett gebunden ist. Ist jemand bettlägerig, kann das unterschiedliche Bedeutungen haben: Manche Menschen können sich noch minimal im Bett bewegen, während andere vollständig bewegungsunfähig sind. Grundsätzlich gilt jemand dann als bettlägerig, wenn er ohne fremde Hilfe das Bett nicht mehr verlassen kann und die meisten Alltagsaktivitäten im Liegen stattfinden müssen.
Die Ursachen sind vielfältig. Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Parkinson, fortgeschrittene Demenz, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebsleiden können dazu führen, dass Menschen ihre Mobilität verlieren und bettlägerig werden. Auch nach Knochenbrüchen im Alter oder bei extremer Muskelschwäche entwickelt sich dieser Zustand manchmal schleichend.
In der Geriatrie und Pflegewissenschaft unterscheidet man die 5 Phasen der Bettlägerigkeit, die den fortschreitenden Verlauf beschreiben:
Phase 1 kennzeichnet sich durch gelegentliche Bettruhe. Der Betroffene kann noch aufstehen, benötigt aber vermehrt Ruhepausen im Bett. Die Selbstständigkeit ist weitgehend erhalten.
Phase 2 zeigt sich durch zunehmende Schwäche. Das Aufstehen fällt schwerer, die Person verbringt nun den überwiegenden Teil des Tages liegend, kann aber noch mit Unterstützung mobilisiert werden.
In Phase 3 ist die Person auf umfassende Hilfe angewiesen. Das Verlassen des Bettes gelingt nur noch mit mehreren Helfern oder technischen Hilfsmitteln. Die Eigenaktivität nimmt deutlich ab.
Phase 4 bedeutet nahezu vollständige Immobilität. Der Mensch kann sich im Bett nur
minimal bewegen, alle Positionswechsel müssen von außen durchgeführt werden.
Phase 5 beschreibt die komplette Bettlägerigkeit mit vollständiger Bewegungsunfähigkeit. Die Pflege umfasst nun alle Lebensbereiche.
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Bettlägerigkeit sind gravierend und betreffen nahezu alle Körpersysteme. Bereits nach wenigen Tagen beginnt der Muskelabbau, die sogenannte Muskelatrophie. Pro Woche können bis zu 20 Prozent der Muskelkraft verloren gehen. Gleichzeitig nimmt die Knochendichte ab, was das Risiko für Brüche erhöht.
Das Herz-Kreislauf-System wird ebenfalls belastet. Der Kreislauf gewöhnt sich an die liegende Position, sodass schon kurzes Aufrichten zu Schwindel und Blutdruckabfall führen kann. Die Lungenfunktion verschlechtert sich, weil die Atemtiefe im Liegen abnimmt. Dadurch steigt die Gefahr für Lungenentzündungen erheblich.
Ein besonders gefürchtetes Problem sind Druckgeschwüre, im Fachbegriff Dekubitus genannt. Durch den konstanten Druck auf bestimmte Körperstellen wird das Gewebe nicht ausreichend durchblutet und kann absterben. Auch die Verdauung leidet. Verstopfung wird zum Dauerproblem, und die Nahrungsaufnahme gestaltet sich schwierig.
Die Betreuung bettlägeriger Menschen erfordert Fachwissen und viel Kraft. Regelmäßige Lagewechsel sind ganz wichtig, um Druckstellen zu vermeiden. Alle zwei Stunden sollte die Position verändert werden, was besonders nachts schwer zu gewährleisten ist. Spezielle Matratzen und Lagerungskissen können dabei unterstützen.
Atemübungen und vorsichtige passive Bewegungsübungen helfen, die Funktion der Organe aufrechtzuerhalten. Dabei sollten Angehörige sich unbedingt von Pflegefachkräften oder Physiotherapeuten anleiten lassen.
Ebenso wichtig wie die körperliche ist die psychische Betreuung. Bettlägerig zu sein ist von Bedeutung für den Körper, aber auch für die Seele. Das wird oft unterschätzt. Viele Betroffene leiden unter Depressionen, Ängsten oder dem Gefühl, eine Last zu sein. Gespräche, Vorlesen, gemeinsames Musikhören oder einfach nur die Anwesenheit von vertrauten Menschen können hier Trost spenden.
Niemand sollte die Pflege einer bettlägerigen Person allein bewältigen müssen. Pflegedienste, die Pflegeversicherung und Beratungsstellen bieten Unterstützung an. Ein Pflegegrad ermöglicht finanzielle Hilfen und professionelle Unterstützung. Auch Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige können eine wertvolle Stütze sein.
Die Bettlägerigkeit ist eine belastende Situation, doch mit dem richtigen Wissen, professioneller Unterstützung und viel Empathie lässt sich die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern.