Wenn Menschen älter werden, verändern sich manche Dinge schleichend. Der Einkauf fällt zunehmend schwer, Medikamente werden vergessen oder die Wohnung ist plötzlich nicht mehr so ordentlich wie früher. Angehörige bemerken solche Veränderungen häufig früh, wissen aber nicht, ob und wann sie diese ansprechen sollten. Zeichnet sich jedoch ein Pflegefall in der Familie ab, darf das Thema Hilfe nicht dauerhaft aufgeschoben werden.

Den einen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Sinnvoll ist es jedoch, nicht erst auf eine akute Krise zu warten. Hinweise auf einen wachsenden Unterstützungsbedarf können beispielsweise auch Schwierigkeiten bei der Körperpflege, beim Anziehen, bei der Einnahme von Medikamenten oder bei der selbstständigen Bewegung sein. Auch die Fähigkeit, Risiken zu erkennen und den Alltag eigenständig zu organisieren, spielt eine Rolle. Solche Bereiche werden auch bei der offiziellen Begutachtung berücksichtigt, wenn festgestellt wird, dass ein Pflegefall in der Familie vorliegt.

Betreuung und Pflege: Wann und wie Angehörige reagieren sollten

Ein einzelner vergessener Termin bedeutet natürlich noch keinen Pflegefall. Wenn in der Familie aber zunehmend erkennbar wird, dass der Alltag ohne Unterstützung immer schwerer fällt, wird ein Gespräch unausweichlich.

Bei einem möglichen Pflegefall in der Familie sollte dieses am besten in einer ganz ruhigen Situation stattfinden und auf keinen Fall unmittelbar nach einem Streit oder einem konkreten Missgeschick. Die Ausgangsfrage sollte dabei nicht lauten „Was kannst du nicht mehr?“, sondern eher „Was würde dir den Alltag erleichtern?“.

Hilfe anbieten, ohne die Selbstständigkeit infrage zu stellen

Für ältere Menschen kann es schwer sein, sich einzugestehen, dass bestimmte Dinge nicht mehr so gut funktionieren wie früher. Entsprechend sensibel sollten Angehörige vorgehen. Vorwürfe oder eine lange Liste von Dingen, die angeblich nicht mehr klappen, schaffen schnell Widerstand. Besser ist es, konkrete Beobachtungen anzusprechen und nachzufragen, wie die betroffene Person die Situation selbst wahrnimmt.

Hilfe bedeutet nicht, sämtliche Aufgaben zu übernehmen. Gerade bei der Betreuung und Pflege Angehöriger sollte das Ziel darin bestehen, vorhandene Fähigkeiten und Selbstständigkeit möglichst zu erhalten.

Das Bundesgesundheitsministerium weist darauf hin, dass Pflegebedürftige einen Anspruch auf Pflegeberatung haben. Auch Angehörige können diese mit Zustimmung der pflegebedürftigen Person in Anspruch nehmen. Pflegeberater betrachten den individuellen Hilfebedarf und informieren über geeignete Leistungen und Unterstützungsangebote.

Betreuung und Pflege Angehöriger gemeinsam organisieren

Wird tatsächlich regelmäßig Unterstützung benötigt, sollte die Verantwortung möglichst nicht bei einer einzelnen Person landen. Bei der Betreuung und Pflege Angehöriger muss geklärt werden, welche Aufgaben Familienmitglieder übernehmen können und wo professionelle Unterstützung notwendig oder sinnvoll ist.

Ambulante Pflegedienste können beispielsweise körperbezogene Pflegemaßnahmen, pflegerische Betreuung oder Hilfen bei der Haushaltsführung übernehmen.

Besteht bereits Pflegebedürftigkeit im Sinne der Pflegeversicherung, kann ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Diese veranlasst anschließend die Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit und des Pflegegrades.

Ein Pflegefall in der Familie bedeutet nicht automatisch Verlust der Selbstständigkeit

Das Gespräch über notwendige Hilfe sollte nicht ausschließlich darum kreisen, was künftig nicht mehr möglich ist, sondern darum, was dazu beitragen kann, möglichst viel Selbstständigkeit zu bewahren.

Das gilt besonders für die Betreuung und Pflege Angehöriger in ihrem Zuhause. Manchmal können bereits überschaubare Veränderungen den Alltag erleichtern. Unterstützung beim Einkaufen, ein ambulanter Dienst oder technische Hilfsmittel können miteinander kombiniert werden.

Ein Notfalltelefon kann zusätzliche Sicherheit geben

Ältere Menschen möchten oft möglichst lange zu Hause leben – Angehörige wünschen sich dabei die Sicherheit, dass im Ernstfall schnell Hilfe kommt. Hier kann ein Notfalltelefon in Form eines Hausnotrufs eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Unterstützungsangeboten sein.

Das HelpPhone ist für solche Situationen konzipiert. Über die SOS-Taste lässt sich bei einem Notfall eine Verbindung zur rund um die Uhr erreichbaren Notrufzentrale herstellen. Ein solches Notfalltelefon nimmt älteren Menschen nicht ihre Selbstständigkeit, sondern hilft, den gewohnten Alltag mit zusätzlicher Absicherung fortzuführen.